Geburtserfahrung – eine persönliche Erzählung

Diesen Geburtsbericht habe ich geschrieben, als mein Erstgeborener 10 Jahre alt war. Obwohl das jetzt schon so lange her ist, bewegt mich das Thema noch immer. Ich habe diese für mein Leben als Frau so einschneidenden Erlebnisse bewusst im Präsens verfasst, da sie immer noch so präsent sind. Eine Geburtserfahrung, die ich nie vergessen werde.

Das Trauma meiner ersten Geburt: Anders als gedacht und noch viel schlimmer

Es muss alles richtig perfekt werden, weißt du? Ich habe ein rotes Handtuch gekauft, damit der kleine Spatz sich gleich wohlfühlt, wenn es aus dem Bauch herausschlüpft. Das habe ich in meinem Hebammenbuch gelesen! Bei der Hebammenvorsorge fühle ich mich von Anfang an viel wohler. Hausgeburt? Ja, eine Hausgeburt wäre toll. Aber wo? Hier in der Dachgeschosswohnung im Viertel? Ok, die Klinik ist nur einen Katzensprung entfernt, aber wenn ich dann hier so laut schreie? Außerdem steht unser Umzug ins Gebirge vor der Tür. Mein Freund wohnt bereits dort draußen und wir wollen im April, mit unserem Kind in den Bergen zu wohnen. Dort sind wir 30 Kilometer Kurvenstraße vom Krankenhaus entfernt und das ist uns nicht geheuer. Wenn etwas nicht nach Plan läuft? Und mein Freund? Was denkt der? Der ist skeptisch, will sich lieber in die Obhut von routinierten Medizinern begeben. Ein Nachbar schreit in der Nacht wieder im Vorderhaus. Wir glauben, dass er seine Frau verprügelt, sind wie gelähmt, trauen uns auch nicht herauszufinden, woher genau diese Schreie kommen. Die Idee, die Polizei zu rufen, kommt uns nicht in den Sinn. Warum bloß nicht? Wir mischen uns nicht ein.

Und bei der netten Hebamme, die ich hier in der Großstadt habe, geht es terminlich nicht, weil der Geburtstermin in den Osterferien liegt. Na, prima. Da ich mir selbst etwas unsicher bin, mit den vielen neuen Gedanken, Entscheidungen, die zu treffen sind, verfolge ich diese Idee nicht weiter. Und dann kommt ohnehin alles anders. Eine Geburt ist ein unvorhersehbares Ereignis, nicht planbar. Im Nachhinein wünsche ich jeder Gebärenden, dass sie sich guten Rat holt, mit Frauen, Freundinnen, Müttern redet und vor allem ihnen zuhört. Am besten auch mit einer, die eine Hausgeburt erlebt hat. Doch diese Frauen werden leider gerade immer seltener – nicht zuletzt aufgrund des durch Krankenhauspraktiken, Medizinermeinungen und vor allem dem Gebaren der Berufsversicherungen für Hebammen immer seltener. Das Hebammensterben ist in vollem Gange. Aber du sollst wissen: Das wirklich Einzige, was du an der Geburt deines Kindes beeinflussen kannst, die Weichen, die du bereits im Voraus stellen kannst, sind die Gegebenheiten, die äußeren Umstände.

Langsam wird es Zeit …

Es war so ein schöner, sonniger Frühlingsmorgen. Es war ein Samstag und der große Flohmarkt auf der Stadtwiese. Mit meiner Kugel und den Liebsten im Schlepptau guckten wir uns einfach jeden Stand an. Es gibt Susi und Strolch als Gummifiguren, Klamotten in Kommoden und einen Porzellanpudel in einer alten Schubkarre aus Holz. Gießkannen, Lavendelkissen, Ringelstrümpfe, einen Federhut und Spitzentischdeckchen.

Flohmarkt

Auf dem Heimweg hätte ich es dann fast nicht mehr geschafft und komme ziemlich ins Schnaufen. Auf den Liebsten gestützt erreichen wir irgendwie die Kneipe unter dem Haus. Der Bauch zieht, das Kindlein drückt nach unten. Morgen ist Termin, willst du etwa wirklich schon so pünktlich raus, mein Kleiner? Heute aber bitte nicht mehr, heute feiert schon meine Chefin Geburtstag. Du sollst deinen eigenen Tag bekommen. Zwick bloß zam, war die Empfehlung einer Kollegin. Doch die Hektik des Büros, der stressige, laute Redaktionsalltag ist zu diesem Zeitpunkt nur noch ein schwaches Echo, wie ein Vexierbild in Schwarzweiß zum Angucken, sein Schrecken für Schwangere längst verblast, denn als meine Frauenärztin hörte, wie es da zugeht, hat sie mich sofort auf 20 Stunden die Woche befreit. Und jetzt waren plötzlich auch sechs Wochen Mutterschutz schwups vorbei, eine schöne Zeit. Und jetzt stehen wir Hand in Hand kurz vor einem Tor in ein neues Leben. Der Torbogen ist schon sichtbar, dahinter dringt Licht heraus.

Die Geburt

Ich falle schwer atmend auf einen Stuhl, die Treppe in den vierten Stock jetzt gleich im Anschluss anzuhängen, einfach unvorstellbar. Der Mann trifft dort auf einen Freund, wir setzen uns daneben und bestellen uns zu trinken. Das Ziehen hört nicht auf im Bauch. Als ich wieder fit bin, mache ich mich auf den Weg nach oben. Ich probiere mal den Tipp mit der Badewanne und Lavendelduft. Wenn das Drücken und Drängen im Unterbauch mit dem Lavendelbad aufhört, ist Fehlalarm. Und das war es, alles ist entspannt und ich packe letzte Kleinigkeiten in die Krankenhaustasche. Das rote Handtuch ist schon lange darin. Mein Gefühl, dass es nicht mehr lange dauert, unser Baby jetzt rauswill, bleibt, verstärkt sich sogar. Ich spüre ihn ganz nah bei mir. Und tatsächlich: Um 22 Uhr nachts wache ich auf und wiederhole das Baderitual, ganz alleine für mich, ganz entspannt. Diesmal verstärkt sich das Ziehen, das ungefähr alle 15 Minuten auftritt. Es sind die Wehen, dieses ominöse Wort, das ein mir noch fremdes Gefühl beschreiben soll. Jetzt weiß ich, was damit gemeint ist und ab sofort bin ich aufgeregt. Ich wecke den Mann und wir räumen noch die Bude auf, spülen ab und alles.

Nach Mitternacht brechen wir endlich auf. Jetzt diese lange Fahrt über die Autobahn durchhalten. Die Wehen begleiten uns, aber ich weiß ja, wie ich atmen muss. Schließlich bin ich gut vorbereitet, Schwangeren-Yoga und Geburtsvorbereitungskurs im Wunschkrankenhaus, alles abgehakt auf der To-do-Liste, alles nach Plan.

Nach dem Eintreffen auf der Gebär-Station und der ersten Untersuchung die Bestätigung: Der Muttermund ist bereits acht Zentimeter offen! Das wird eine Blitzgeburt, heißt es sofort unter den Schwestern.

Mit dieser Aussage habe ich das Gefühl, die Hälfte schon geschafft zu haben. Ich will in die Gebärwanne und freu mich, dass sie frei ist. Mein Partner massiert mir die Schultern. Mir ist kalt. Da mache ich den ersten und schwersten Fehler für diese, meine erste Geburt, und teile der Hebamme meinen Status quo mit. Dabei wollte ich doch bloß eine Decke, etwas zum über die Schultern legen. Die Frau beendet aber mein Wannenbad, in dem ich die Wehen so gut veratmen konnte, ohne weiteres Nachfragen. Wie Wellen kommen sie über mich und tief, tief in mir spüre ich meinen Atem. Alles war gerade noch gut, bis auf die verdammte Kälte in dem Badezimmer.

Mein ganz persönlicher Alptraum hat begonnen!

Dann komme ich hinüber in das andere Zimmer und alles ist furchtbar. Mein ganz persönlicher Alptraum hat begonnen. Der seltsame Frauenarzt-Gebär-Stuhl – was hier soll ich jetzt echt drauf? – ist unbequem und ich fühle mich ausgeliefert, werde gefesselt, fixiert. Ist das jetzt ihr Ernst? Ich will zurück in die Wanne! Da die Geburt nicht mehr voranschreitet – kein Wunder, ich friere und fühle mich nicht mehr wohl hier! – höre ich wie eine Ärztin, die plötzlich im Raum steht, von Fruchtblase platzen, redet. Alarm, Alarm, mein Herz pumpt. Das darf alles nicht sein! Aber auch wirklich in allem, was ich gelesen habe, gehört das nicht zu einer natürlichen Geburt! Das ist ein absoluter Übergriff. Wie kommt ihr dazu? Ich habe selbst in diesem Zustand die Kraft, zu diskutieren. Ich wende mich an die junge Hebamme. Sie schüttelt erstaunt ihre kastanienbraunen Locken. „Wieso, die Ärztin sagt das!“

„Mein Liebster, tu doch was!“, flüstere ich verzweifelt und lege meine kalten Finger in seine Hand. Mein Liebster ist ratlos, will mir sicher helfen, das sehe ich an seinen Augen. Dennoch ist er nicht in der Lage meinen Wunsch jetzt durchzusetzen gegen diese Frauen, die sich so sicher scheinen, was zu tun ist. Das angelernte Gefühl, dass Mediziner schon wissen werden, was sie tun und auch, dass wir ohnehin keine andere Wahl haben, als mit diesen uns völlig Fremden zu kooperieren, lässt uns schließlich resignieren. Es ist aber auch dieses Ausgeliefertsein an Fremde in einer unbekannten Situation.

Jetzt zerplatzen sie meine Fruchtblase gewaltsam. Das Fruchtwasser rinnt zwischen meinen Schenkeln heraus auf eine Windel-Unterlage. Die schützende Hülle, die mein Baby für neun Monate schützte, am Leben erhielt, war vernichtet. Sie verhindert übrigens, dass das Ungeborene sich mit Bakterien infiziert. Während der Geburt wirkt sie dämpfend, damit das Kind nicht andauernd mit dem Kopf auf die Knochen seiner Mutter, die den Geburtskanal umgeben, knallt. Genau das passiert jetzt. Mein kleiner Liebling hat durch diesen Übergriff sicher nicht schneller ans Licht gefunden. Wieder und wieder knallt er auf mein Schambein – schmerzhaft für ihn, quälend für mich. Ich hätte heulen mögen, so verzweifelt und alleingelassen, ausgeliefert fühle ich mich da inmitten dieser blöden Weiber. Irgendwann ist es hell, im Nebenzimmer gebiert eine Vierzigjährige ihr viertes Kind in einer halben Stunde – erzählt uns die Hebamme. Das hilft mir auch nicht weiter, völlig erschöpft und sämtlicher Illusionen beraubt, wie ich bin. Obwohl sie zugelassen hat, dass die Ärztin meinem Kind und mir das antut, ist die Hebamme lieb und aufmerksam, flüstert mir aufmunternde Worte zu. Dann verabschiedet sie sich, Schichtwechsel. Nebel wabert um mich, aus dem alleine der schreckliche Stuhl ragt, auf dem ich verkrümmt festhänge, und irgendwann schreie ich nach einer PDA. Ich kann nicht mehr. Das ganze Gepresse kommt mir total sinnlos vor und schmerzt bloß. Anonyme Anwesende, die sich mir nicht vorgestellt haben, wuseln durch die Nebelschwaden. Zu diesem Zeitpunkt ist es mir schon scheißegal, wer mir da alles zwischen die Beine glotzt. Ich bin seit Stunden hier gefesselt und durfte nicht einmal eines dieser tollen Geräte wie Sprossenwand oder Gebärhocker ausprobieren, die sie dir bei der Informationsveranstaltung anpreisen, nicht mal angeboten haben, die so eine Möglichkeit. Ich bin so wütend und schreie nach dieser Betäubungsspritze. „Wir sehen ja schon das Köpfchen, du brauchst jetzt keine PDA mehr“, sagt jemand. Besserwisser!

„Doch brauche ich“ – vielleicht hätte ich vorhin so wütend sein sollen, bevor sie meine intakte Fruchtblase verletzten, so energisch und vehement, aber da war ich noch nicht an diesem Punkt angelangt.

Also bekomme ich diese Betäubungsspritze und mir ist eh alles egal, irgendwie muss bloß der Kleine raus, das spüre ich. Die Verbindung zu ihm ist da, nie abgerissen, trotz all dieser Trampel.

PDA bei Geburt

Und ich presse und presse, wie sie von mir verlangen. Und ich schaffe es nicht aus eigener Kraft. Irgendeine der Anwesenden drückt auf meinen oberen Bauch, schiebt mit, wenn die Wehe kommt. Es hilft und der Damm reißt. Das Kind ist geboren! So schwach ich bin, ich bitte, ich bettle darum, ihn in das rote Handtuch zu wickeln, wie im Ratgeber für sanfte Geburt empfohlen. Flüstere vom roten Handtuch in der Tasche an der Wand. Wenigstens das, wenigstens dieser klitzekleine Abglanz, Hauch einer selbstbestimmten Geburt in dieser Welt aus ferngesteuerten Maschinen und Computern.

„Das wird doch nur dreckig, das schöne Handtuch!“, entscheidet die Alte, die inzwischen wohl die junge Hebamme abgelöst hat.

Sie wickelt ihn in kaltes, steriles Weiß, meinen Kleinen. Jetzt weine ich. Die Tränen laufen mir runter und ich verstecke sie nicht.

Endlich spüre ich das Kind auf mir. Die Alte hat es bereits gesäubert und gewogen. Endlich ist er bei mir und beginnt sofort zu saugen, während die da unten mich wieder zusammenflicken. Dieses kleine Wesen entschädigt mich für alles.

Der erste Schock nach der Geburt

Doch das Glück währt nicht lange. Nach einer faszinierenden Nacht, in der das kleine Wunder auf mir ruht, Haut an Haut wir uns gegenseitig wärmen, kommt wieder so ein Dragoner und reißt ihn mir weg. „Der kommt jetzt auf die Intensivstation – Neugeboreneninfektion“, schnauzt sie und schnappt sich mein eben noch selig schlummerndes Kind.

„Wie bitte, was?“ Ich bin sprachlos. Mühsam tappe ich auf den morgenstarren Gang hinaus, versuche herauszufinden, wohin sie mein Babylein bringt, was überhaupt los ist. Ich bin verwirrt und erschrocken, presse meine Faust in den Mund, beiße drauf, um nicht loszuheulen. Mein Unterkiefer beginnt wieder zu klappern. Das ist die Anspannung, das ist der Schock, flüstert mir Primelus zu, mein geheimer Verbündeter. Geh jetzt zurück in dein Bett. Du bist machtlos gegen diese Maschinerie. Das sind alles nur Exekutierende, Schräubchen in einem komplexen Mechanismus.

Baby nach Geburt auf der Intensivstation.

Wenig später finde ich heraus, dass die Infektionswerte unseres Sohnes lediglich ein wenig über dem Normalbereich liegen, nicht bedrohlich also, aber dennoch Grund genug für das Krankenhaus mich dem lästigen Prozedere der Intensivstation zu unterwerfen. Das heißt, Wiegen vor und nach jedem Anlegen – egal, ob der Kleine jetzt gerade an mich gekuschelt eingeschlafen ist, er muss auf die nackte Plastikwaage. Und das, obwohl mein Wonneproppen beim Trinken Geräusche macht wie eine rostige Gartenpumpe, weil so viel Milch da ist, dass er sie kaum so schnell wegtrinken kann, wie sie rinnt. Das bedeutet für uns außerdem angeschlossen sein an irgendwelche Maschinen von Sauerstoffsättigung bis wozu weiß ich für einer Überwachung. Alles sicher lebensnotwendig und sinnvoll für Frühchen und kranke Babys. Wir sind hier aber fehl am Platz, das wird mir mit jedem Tag deutlicher. Unser schöner Sohn kam mit 3,9 Kilogramm auf die Welt und trinkt seitdem mit großem Wohlgefallen.

Jedes Geburtserlebnis ist einzigartig!

Über die Dramaturgie, positive Erfahrungen und Traumata, die sich bei einer Geburtserfahrung abzeichnen können.

Eine Erfahrung, die mich immer noch wütend macht.

Diese Zusatzwoche Krankenhaus mit voller Antibiotika-Dröhnung hat uns das Krankenhaus selbst beschert. Denn wer so bescheuert ist, die Fruchtblase zu platzen, damit das einfach mal schneller und nach Zeitplan geht mit dem Gebären, der schafft sich selbst die Patienten für die teuren Geräte, nicht wahr? Das klingt jetzt sehr böse, aber die Wut im Bauch ist auch nach über zehn Jahren noch nicht erloschen.

Den Babyblues gibt es dann am dritten Tag in der Klinik, nach einem Streit mit dem Liebsten, ein paar falsche Worte und ich bin das heulende Elend. Da gibt es einen menschlichen Moment auf Station und eine Schwester bereitet mir eine „Heiße Sieben“, ein Tee mit Schüssler Salzen zur Beruhigung der Nerven. Diese Erfahrung habe ich bis heute beibehalten, zum Wohle aller Familienmitglieder, die das bekommen, wenn sie erschöpft sind.

Zum Glück habe ich danach ein bisschen zu schummeln begonnen mit dem Wiegen und kurzerhand irgendetwas Plausibles in die Tabelle eingetragen. Leider nicht ausschließlich, denn dazu bin ich einfach viel zu regelkonform erzogen. Heute habe ich gelernt mich über allzu stupide Regeln, die andere für mich machen, hinwegzusetzen. Damals war ich aber nicht so. Auch den Krankenschwestern war ja klar, wie gut es meinem Baby ging. Jedes Mal, wenn sie zur Tür hereinkamen, lachten sie, wenn mein Junge schmatzend die Milch aus meiner Brust genoss. Die Werte passten auch bald wieder, aber wer Antibiotika nehmen muss, der muss es eben fünf volle Tage nehmen.

So habe ich mir deinen Start ins Leben nicht vorgestellt, gleich mit der Hammerdröhnung Antibiotika vollgepumpt, wo ich doch auf Globuli schwöre.

Endlich nach Hause – aber die negative Erfahrung bleibt

Und dann ist der Tag da, an dem die Sonne für uns aufgeht. Endlich ist es so weit, wir werden aus dem Krankenhaus entlassen, können all die Schrecken dieser Institution, seiner starren Regeln abschütteln und zu dritt neu beginnen. Ich darf mein Baby anziehen. Der strahlende Papa wartet mit dem Autositz und bringt uns ins neue Zuhause. Kuhglocken klingeln auf der schönen Blumenwiese vor dem Balkon und auf den Gipfeln und in den schattigen Kehren der Gebirgsstraße liegt noch jede Menge Schnee. Wir werden ihn zum Schmelzen bringen, mit der all der Liebe für unser schönes Baby, denke ich. Mai in den Bergen ist ein guter Mai.

Das Gute sehen, ist mir bei dieser meiner ersten Geburt lange nicht leicht gefallen. Sicher, das Gute habe ich jede Minute vor meinen eigenen Augen gesehen, konnte es anfassen, streicheln und liebkosen. Das war alles Wert und nicht jeder kommt in den Genuss einer sanften Geburt! Dennoch, was mir an diesem Ort widerfahren ist, damit haderte ich lange. Ich war ausgeliefert und fremdbestimmt worden, fühlte mich vergewaltigt, an einem Ort meines Vertrauens, den ich mir aus freien Stücken ausgewählt hatte. Ich fühle mich bis heute verarscht, missbraucht und bin immer noch wütend.

Nichts genützt hat, dass meine Hebamme zur Nachsorge, die ich mir auch bereits im Vorfeld ausgesucht hatte, die aber leider nicht Dienst hatte am Geburtstag meines Sohnes, das auch alles nicht nachzuvollziehen imstande war und auch nicht das klärende Gespräch, das ihre Kollegin, die kastanienbraune Hebamme, mit mir noch in der Klinik gesucht hatte. Die Fruchtblase zu platzen ist einfach ein No-Go, sorry, aber bis heute habe ich nur Bestätigungen für meine Meinung erhalten.

Doch das alles wurde mir erst später so klar. Unmittelbar nach der Geburt war das alles nicht so wichtig. Mein Liebster und ich hatten jetzt einen neuen Liebsten in unserer Mitte. Wir hatten nur Augen für ihn. Beim Stillen gehörte er mir alleine. Es war so ein unbeschreiblich schönes Gefühl, dieses zärtliche Schmatzen, das kleine Köpflein, nicht größer als der prall mit Milch gefüllte Busen, der kleine Mund, der sich mit sicherem Gespür an der Brustwarze andockt. Diese wunderbaren Momente entschädigten mich für vieles.

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Die Erzählungen und Erfahrungen wurden Aufgezeichnet von Martina Stubenschrott.

Über die Autorin Verena Wagner

Auf ihrem nachhaltigen Familien- und Naturblog mamirocks.com begleitet Verena Wagner seit über sieben Jahren Familien bei ihrer Aufgabe, Kindern Geborgenheit und Rückhalt zum Groß- und Starkwerden zu geben. Sie schreibt für ihr Leben gern als Buchautorin, Journalistin und Bloggerin.

Das Kinderbuch Familienbande im Jahreskreis ist ihr Herzensprojekt, mit welchem sie Kinder und Eltern ein einzigartiges Erlebnis bieten möchte.

Verena Wagner

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