Mythen über die Zusammenarbeit zwischen Autorin und Verlag

Gastbeitrag von Isabelle Romann, Teil 1

Wenn du zum ersten Mal ein Buch schreibst und dich dazu entschlossen hast, einen Verlag zu finden, der dich bei der Veröffentlichung unterstützt, dann tun sich meist viele Fragen auf.
Außerdem kursieren sehr viele Vorstellungen darüber, wie eine Zusammenarbeit zwischen Autorinnen und Verlagen aussieht – oft auch falsche.
Deshalb hat mich Walentina Sommer, Verlegerin des LebensGut Verlags, gebeten, mit den wichtigsten Mythen aufzuräumen.
Als Autorin hast du nach der Lektüre einen Einblick in die Prozesse der Buchherstellung und Buchveröffentlichung gewonnen. Idealerweise bist du außerdem sogar etwas besser vorbereitet, wenn du dich auf die Suche nach einem Verlag für dein Buchprojekt machst. Los geht’s:


Mythos 1: Wenn du mit dem Schreiben fertig bist, hast du als Autorin vor dem Druck nichts mehr mit deinem Manuskript zu tun.

Ein Buchherstellungsprozess ist komplex. Mehrere Experten werden einbezogen, und du bist als Autorin auch nach der Abgabe deines Manuskripts an vielen Schritten beteiligt. Hier ein kleiner Überblick:

Du überarbeitest Teile des Manuskripts nach dem Lektorat.

Nachdem eine Lektorin dein Buchmanuskript intensiv in einem ersten Durchgang durchgearbeitet hat, ergeben sich meist Fragen zu einzelnen Textstellen und Hinweise zu Optimierungspotenzial. Deshalb erhältst du normalerweise dein Manuskript noch einmal zurück, um diese markierten Stellen zu überarbeiten. Manchmal ist es auch notwendig, einzelne Textteile neu zu schreiben oder zu ergänzen. Ganz unterschiedlich kann also der Zeitaufwand sein, den du für diese Überarbeitung noch einplanen solltest. Im Anschluss geht die neue Fassung zurück ins Lektorat. Im Idealfall ist dann das Lektorat abgeschlossen.

Sach- und Fachbuchlektorin und Autorenberaterin Isabelle gibt Tipps zur Zusammenarbeit von Autorin und Verlag

Was ist der perfekte Titel für mein Buch?

Du bist beteiligt an guter Titelfindung und setzt dich auch mit deiner Zielgruppe, Recherche und Suchmaschinenoptimierung auseinander.

Die meisten Autorinnen haben sich schon viele Gedanken über einen Buchtitel gemacht, wenn sie das Manuskript beim Verlag abgeben. Doch du solltest damit rechnen, dass es sich nur um einen Arbeitstitel handelt. Denn es gibt einige weitere Kriterien für einen erfolgversprechenden Buchtitel, die viele Autorinnen nicht von Beginn an berücksichtigen (siehe Mythos 2).
Deshalb entsteht der finale Buchtitel meist in einem intensiven Austauschprozess zwischen Verlag, Autorin und vielleicht sogar Lektorin. Wenn du deine Präferenzen aktiv einbringen möchtest, ist es ratsam, dich auch mit der Zielgruppe deines Buches und Suchmaschinenoptimierung zu befassen sowie mit der Recherche darüber, welche Titel es vielleicht sogar schon gibt und deshalb nicht infrage kommen.

Du bist beteiligt an der Coverauswahl.

Ähnlich wie bei der Titelfindung hat der Verlag auch bei der Covergestaltung und -auswahl bestimmte Vorstellungen und Erfahrungswerte (siehe auch Mythos 2). Auch hier kannst du dich in unterschiedlichem Maße einbringen.

Du bist beteiligt bei Entscheidungen zum Buchsatz.

Enthält dein Buch bestimmte Textelemente, die beim Buchsatz berücksichtigt werden sollten, dann gilt es ebenfalls, gemeinsam mit der Grafikabteilung des Verlags und weiteren Entscheidungsträgern gute Kompromisse zu finden.

Du liest am Ende des Herstellungsprozesses die gesetzte Druckdatei, teilst Korrekturwünsche mit und gibst deine Freigabe vor dem Druck.

Nachdem dein Buchmanuskript nun ins professionelle Layout gesetzt wurde, erfolgen üblicherweise mehrere Kontrolldurchläufe wie Schlusslektorat, Korrektorat oder/und Umbruchkorrektorat. Dabei geht es hauptsächlich darum, Fehler im Text und in der Gestaltung aufzuspüren und zu entfernen. Auch du als Autorin bist am Ende des Prozesses gefragt, denn du gibst den Text zum Druck frei. Hierfür ist entsprechend Zeit einzuplanen in Abstimmung mit den verschiedenen Stellen im Verlag.

Mythos 2: Das Wichtigste ist, dass das Buchcover und der Buchtitel dir (!) gefallen.

Natürlich spielt dieser Aspekt eine Rolle. Eine gute Zusammenarbeit mit einem Verlag besteht auch darin, dass deine persönlichen Wünsche in puncto Cover und Titel berücksichtigt werden.

Aber:

  • Jeder Verlag hat ein Erscheinungsbild, zumindest im Rahmen eines seiner Programme, in das dein Buch hineinpassen muss.
  • Entscheidend für den Buchkauf sind neben dem Klappentext in erheblichem Maß das Cover und der Titel. Dementsprechend ist für deren Gestaltung ausschlaggebend, ob beides die gewünschte Zielgruppe deines Buches anspricht.
  • Titel und Cover sollten außerdem keine falschen Erwartungen wecken. Es gibt bestimmte Gestaltungsgrundsätze für Sachbücher sowie für belletristische Werke. Durchbrichst du diese Erwartungen, sind Leser unter Umständen enttäuscht. Folge könnten schlechte Rezensionen sein, die es zu vermeiden gilt.
Sach- und Fachbuchlektorin und Autorenberaterin Isabelle gibt Tipps zur Zusammenarbeit von Autorin und Verlag

Mythos 3: Alle Verlage haben große Budgets für die Buchherstellung und das Buchmarketing.


Buchherstellung: Ein Buchherstellungsprozess ist grundsätzlich eine recht teure Angelegenheit, weil viele Fachleute mit viel Expertise und Zeit daran arbeiten, ein Manuskript veröffentlichungsreif zu machen.
Aus Mythos 1 kennst Du schon die Stationen Lektorat, Coverdesign, Buchsatz, Druck. Da kommen viele tausend Euro zusammen, und falls du schon einmal ein Buch als Selfpublisher herausgegeben hast, ist dir das sicher auch bewusst.

Außerdem ist vielen nicht bekannt, wie gering die Marge eines Buches für einen Verlag ist. Da kursieren schon mal Gerüchte, dass sich Verlage durch sehr geringe Tantiemen an Autoren bereichern. Das mag sogar hin und wieder der Fall sein. Doch gerade kleine Verlage, die auf dem deutschsprachigen Markt besonders dafür sorgen, dass es noch eine Vielfalt an Büchern und Genres gibt, gehen oft sehr hohe finanzielle Risiken ein und müssen nicht selten auch um ihre wirtschaftliche Existenz bangen.

Isabelle Romann, Lektorin für Fach- und Sachbücher


Den interessanten Artikel „Wie viel verdient man an einem Buch“ hat die Verlegerin Sandra Thoms zu diesem Thema geschrieben.

Wieviel Budget haben Verlage für Buchmarketing?

Das Budget für Buchmarketing ist meist nur für bereits etablierte Autorinnen größer. Sie nämlich verkaufen aufgrund ihres Bekanntheitsgrades sehr wahrscheinlich auch ein weiteres Mal ein neues Buch an ihre Fangemeinde. Hier geht ein Verlag kein großes Risiko ein und gibt gern viele Mittel frei.
Vorteil ist, dass von diesen Verkaufsschlagern auch die unbekannteren oder Debütautorinnen profitieren, denn aufgrund des hohen Risikos stünde für sie unter anderen Umständen gar kein Budget bereit.
Trotzdem ist die Situation für mehrere Beteiligte frustrierend: Zum einen natürlich für die Autorinnen, die nicht in den Genuss eines großen Marketingpakets für ihr Buchprojekt kommen, zum anderen die kleinen Verlage, die ihre Autorinnen, mit denen sie meist sehr persönlich zusammenarbeiten, gern finanzkräftiger unterstützen würden, aber als Unternehmen eben auch rechnen müssen.
Denn was von Autorinnen oft vergessen wird: Bei einem Verlag handelt es sich um ein Unternehmen, das nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben geführt werden muss. Auch wenn wir über einen Literaturbetrieb und Kunst sprechen.

Fazit: Selbst aktiv werden und eigene Autorinnenmarke aufbauen

Bedenke als Autorin und besonders als Debütautorin, dass du dich bei jedem Verlag in der heutigen Zeit selbst in großem Maße ins Marketing einbringen musst, damit dein Buch eine möglichst große Leserschaft findet. Baue dir also eine Autorinnenmarke auf. Besonders wenn du mehrere Bücher schreiben möchtest, mache dich und dein Buch in den sozialen Medien sichtbar, erarbeite zusammen mit deinem Verlag einen Marketingplan, bei dem ihr euch gegenseitig unterstützt, und plane von Anfang an sehr viel Zeit für diese Aktivitäten ein.

Sach- und Fachbuchlektorin und Autorenberaterin Isabelle gibt Tipps zur Zusammenarbeit von Autorin und Verlag

Gastautorin Isabelle Romann, Lektorin und Autorenberaterin

Mein Name ist Isabelle Romann, und ich bin Lektorin für Fach- und Sachbücher sowie Autorenbegleiterin. Meine Leidenschaft ist es, dir als Autorin Sicherheit zu geben und dich zu ermutigen, deine Geschichten, deine Erfahrung und dein Wissen in einem eigenen Buch in die Welt zu bringen und damit andere zu inspirieren. Dieser Weg kann über einen Verlag oder Selfpublishing führen, abhängig davon, was besser zu dir und deinem Buchprojekt passt.

Den zweiten Teil zum Thema Zusammenarbeit von Autorin und Verlag, Bücher schreiben und Verlag finden, findet ihr nächsten Monat hier auf dem LebensGut Blog. Isabelle Romann hat Mythos 4 und weitere Tipps in Sachen Buchmarketing, Verlagsbudget und Eigenmarke für euch.

Fotos: Maren Szech Fotografie

2 Gedanken zu „Mythen über die Zusammenarbeit zwischen Autorin und Verlag“

  1. Das ist ja super interessant, ich danke Isabelle Romann für diesen guten Beitrag und bin neugierig auf die Fortsetzung.
    Als Blog schreibende Rentnerin habe ich darin viel Neues erfahren. Wer weiß, was das Leben für mich noch bereit hält.
    Herzliche Grüße
    Margaretha Schedler

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