Perfektionismus als Frau überwinden

Perfektionismus holt uns immer wieder ein. Wir sind alle hin und wieder Perfektionisten in den verschiedensten Situationen. Doch vergiss nicht: Du bist gut so wie du bist – als Frau, als Mutter.

Ein Beitrag über das Streben nach Perfektionismus und Erfolg, Ansprüche im Familienleben, das eigene Selbstwertgefühl und dem Überwinden der eigenen Perfektion.

Warum Perfektionismus dich und deine Familie nicht glücklich macht und dir als Person sogar schaden kann!

Es gibt keine perfekten Menschen. Doch es gibt Personen, die uns glauben machen wollen, sie seien es. Weil sie uns ihre perfekten Körper vorführen, sollen wir denken, sie wären rundum perfekt. Alles Humbug! Warum Perfektionismus nicht glücklich macht?

Jeder von uns hat eine Um-Welt. Die Welt, die dich umgibt, hat entscheidenden Einfluss auf das, was wir gut und erstrebenswert finden. Wie eine Radiostation sendet sie andauernd Impulse aus dem Orbit: Zieh das an, kauf dir neue Kleidung, du bist zu dick, ohne Cardio-Training wird das nichts, dein Bauch wölbt sich, ich mache jetzt Aerial Yoga, du hast ja schon graue Haare, probier doch mal vegan zu essen, nein, wir sind jetzt Paleo … Diese Liste kann jeder für sich fortsetzen oder verändern. Mitunter ist es schwierig, all diese Meinungen, vermeintlich wichtigen Erziehungstipps, Trends und Hypes von uns fernzuhalten.

Körper-Geduld statt Körperkult

Ganz leicht lasse ich mich doch wieder anstecken! Weniger von neuen Trends als von der unterschwelligen Haltung, dass nur ein schlanker, durchtrainierter Körper perfekt und ästhetisch ist. Ich bin weder dick noch wirklich unglücklich mit meiner Figur. Seit Teenagertagen nagt aber der Gedanke an mir, ein paar Kilo weniger würden nicht schaden. Dass mein Körper mittlerweile zwei Geburten geleistet hat, rechne ich ihm hoch an. Das teile ich ihm hin und wieder auch liebevoll mit.

Die Sehnsucht perfekt aussehen zu wollen

Über die Dauerbaustellen des weiblichen Körpers und dem Streben nach perfekten Aussehen.

Da mein Bauch in der Zwillingsschwangerschaft ganz schön gedehnt wurde, rechne ich nicht mehr damit, jemals auch nur annähernd einen Sixpack-Bauch zu erreichen. Dennoch übe ich so oft wie möglich Yoga und mache gelegentlich Bauchmuskeltraining.

Frau macht Yoga Übungen.

Das Streben nach Perfektion bzw. Perfektionismus abzulegen, heißt nicht, gar nichts mehr für seinen Körper zu tun. Denn gerade beim Yoga merke ich sehr deutlich: Der Weg ist das Ziel. Wenn ich übe, ruhe ich in mir. Ich atme tief durch und kann alles abschütteln, was mich belastet. Das ist wundervoll. Und ja, es stimmt: Mein Körper ist mein Tempel, den ich pflegen möchte. Mehr noch: Ich bin verantwortlich für die Erhaltung meines Körpers, denn ich lebe in ihm und dank ihm.

Weniger ist mehr – für entspannte Familienzeit

Genauso geht es mir mit der Perfektion, die mein Verhalten betrifft. Nur finde ich es viel, viel schwieriger, hier dasselbe Bewusstsein zu entwickeln, das ich in Bezug auf Körperkulte und die Akzeptanz meines eigenen Körpers erlangt habe. Unbewusste Lebensmuster sind immer wieder eine hart zu knackende Nuss.

Oft mache ich mir, aber auch den Menschen, die mit mir zusammen leben, enormen Stress durch meinen Perfektionismus. Alles muss durchgeplant und organisiert sein. Für die Kinder organisiere ich manchmal so viele tolle Events und Aktivitäten, dass ich am Ende selbst merke: Ein Mittelmaß an Programm wäre ausreichend gewesen. Weniger ist hier definitiv mehr! Wer wissen will, wie mit nur wenig Aufwand wertvolle Familienzeit im Rhythmus der Jahreszeiten entsteht, findet tiefergehende Inspirationen rund ums Jahr in meinem neuen Buch „Familienbande im Jahreskreis“. Dafür habe ich mich sehr ausgiebig mit kindlicher Kreativität und die Rolle der Natur als Gegenpol zur Reizüberflutung, der leider auch Kinder immer stärker ausgesetzt sind, beschäftigt.

Kind malt ein Mandala aus.

Perfektionismus hat im Kinderzimmer nichts zu suchen. Deshalb helfen uns Naturerlebnisse im Jahreskreis auch so sehr beim Elternsein. Es nützt ohnehin nichts alles zu planen. Entspanne dich, nimm dir einfach nur eine Aktivität pro Tag oder für ein Wochenende vor. Gehst du mit Kindern nach draußen, braucht es keinen großen Plan. Der Wald flüster den Kindern ihre Spiele zu. Auch die größten Schätze finden sie in Wald und Wiese ganz von selbst.

Bring einfach nur ein Gefäß mit, das alle fassen kann, was die kindliche Kreativität und Fantasie zutage fördert. Sei du selbst dieses Gefäß und helfe deinen Kindern durch den Raum, den du ihnen bietest, bei ihrer Entfaltung.

Ohne To-do-Liste mehr Raum für echtes Leben

Gerade lerne ich viel über die indische Göttin Kali. Sie wird oft als Zerstörerin, als die Dunkle, die Geheimnisvolle und die Schreckliche dargestellt. Doch so furchterregend ist sie gar nicht. Denn sie repräsentiert nicht nur die destruktiven Seiten weiblicher Energie, sondern sie steht für Transformation, Metamorphose und Wandel. Indem sie alles niederreißt, was da war, was uns belastet, verkommene Strukturen und tradierte Muster, schafft sie den Raum, um etwas zu verändern.

Darstellung der indischen Göttin Kali

Und genau das führt Kali mir mit meiner ständigen unbewussten Affirmation „Ich will mein Leben perfekt gestalten“ vor Augen. Ich mache mir bewusst, dass ich mit dem ständigen Planen und Designen meiner Tages- und Wochenabläufe, und damit auch meines Lebens, keinen Raum für Kreation und schöpferische Energien mehr lasse. Meine neue und bewusste Affirmation heißt daher: Mach doch einfach mal gar nichts, leg die Beine hoch und warte, was der Monat so bringt. Und wenn ich das schaffe, entstehen neue Freundschaften aus zufälligen Treffen und andere wunderbare Projekte. Diese könnte ich mir mit Vorausplanen gar nicht erst ausdenken. Denn sie entstehen aus der Energie mehrerer Menschen und aus ihrem Zusammentreffen. Genauso ist es in der Familie: Wenn ich mich mit meiner Planerei zurücknehme, kommen Ideen von den anderen, gewinnen Raum und bereichern mein Leben.

Perfektionismus in der Mutterrolle

Es gibt keine perfekten Mütter. Auch das sieht immer nur so aus. Ich habe das längst aufgegeben. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern, wenn ich einen Fehler gemacht habe und versuche mir ruhig ihre Sicht der Dinge anzuhören und mich in sie hineinzuversetzen. Und ich bemühe mich nicht zu schreien.

Herausforderungen als Mama

Mehr dazu, wie ich mit diesem Thema umgehe, könnt ihr auf meinem Blog lesen. 

Schwieriger ist es, meine verschiedenen Rollen unter einen Hut zu bringen. Mutter, Partnerin, Journalistin, Freundin, Familienmanagerin, Tochter und Enkelin, Yogini, Bloggerin, Schriftstellerin, Malerin, Gärtnerin. Es geht nicht. Ich bringe das einfach nicht unter einen Hut! Stattdessen widme ich mich bewusst nur einer Sache und lass dafür lieber was anderes schleifen.

Du bist gut genug. Deine Kinder lieben dich sowie du bist.

Der Jahreskreis für Familien

In einer Familie ist nie alles perfekt. Zwar hat jeder seine Aufgaben – doch es läuft nicht immer alles glatt. Doch wenn man es nicht so Ernst mit dem Perfektionismus im Familienleben nimmt, macht es richtig Spaß!

Das hat auch Autorin und Mama Verena Wagner erkannt. Mit ihrem Mitmachbuch „Familienbande im Jahreskreis“ zeigt sie, dass nicht immer alles perfekt sein muss. Durch verschiedene Aufgaben integriert sie Kinder in das Buchgeschehen, frei nach dem Motto „Dabei sein ist alles“. Es muss nicht perfekt sein. Es muss nur Spaß machen.

Über die Autorin Verena Wagner

Auf ihrem nachhaltigen Familien- und Naturblog mamirocks.com begleitet Verena Wagner seit über sieben Jahren Familien bei ihrer Aufgabe, Kindern Geborgenheit und Rückhalt zum Groß- und Starkwerden zu geben. Sie schreibt für ihr Leben gern als Buchautorin, Journalistin und Bloggerin.

Das Kinderbuch Familienbande im Jahreskreis ist ihr Herzensprojekt, mit welchem sie Kinder und Eltern ein einzigartiges Erlebnis bieten möchte.

Verena Wagner

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