Körper

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Führt der Weg zur Selbstliebe über den perfekten Körper?

„Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper.“ Wann hat sich diese Redewendung des römischen Dichters Juvenal verkehrt zu „Selbstliebe ist nur mit einem perfekten Körper möglich“? Dennoch wohnt beiden Aussagen eine unbestreitbare Tatsachen inne: Außen und Innen sind untrennbar verbunden. Wer sich in seinem Körper unwohl fühlt, hat Schwierigkeiten, sich selbst zu lieben. Und seelische Beschwerden spiegeln sich im Körper wider.

Doch: Wer hat das Recht zu bewerten, was perfekt ist? Leider tappen vorwiegend Frauen in die Falle, ihren Körper mit bearbeiteten und geschönten Bildern auf Social-Media-Portalen und in Illustrierten zu vergleichen. Obwohl jede*r die einschlägigen Apps kennt, mit denen sich Bilder bis zur Unkenntlichkeit perfektionieren lassen.

Wir wenden unendlich viel Energie auf, einem Ideal zu entsprechen, das in der Natur nicht existiert. Und schaden dabei unserer Seele. Denn der Mensch verlernt, sich selbst zu lieben, sich so anzunehmen, wie er ist, mit all seinen Ecken und Kanten. Wie langweilig wäre es doch, wären wir alle perfekt und damit identisch und austauschbar.

Ist meine Vulva, Vagina oder Scheide schön?

Diese Frage stellen sich Mädchen und Frauen, seit ein Tabu-Thema zum neuen Megaseller unter den Schönheitsoperationen wurde. Intim-Korrekturen sind ein relativ neuer Trend im Hype um den perfekten Körper. Bereits weibliche Teenager denken darüber nach, ob ihr Intimbereich „normal“ aussieht und „schön“ ist. Noch einmal: Wer bestimmt, was „normal und schön“ ist?

Frauen haben ja kaum die Gelegenheit, die Vielfalt des äußeren weiblichen Geschlechtsorgans kennenzulernen. Noch weniger ist vielen bekannt, wie und dass sich die Vulva im Alter verändert. Im Allgemeinen wissen wir überhaupt viel zu wenig über die weiblichen Geschlechtsmerkmale. Was meinen wir denn überhaupt mit Vulva, Vagina oder Scheide?

Die Vulva in ihrer ganzen Vielfalt

Vagina ist die Bezeichnung für ein weibliches, inneres Geschlechtsorgan der Frau, das häufig auch als Scheide bezeichnet wird. Dieser zehn bis zwölf Zentimeter lange, muskuläre und dehnbare Schlauch verbindet die äußeren Geschlechtsorgane mit der Gebärmutter. Sie ist eine geniale Erfindung der Natur. Denn die Vagina ist äußerst elastisch und kann sich bei einer Geburt so ausdehnen, dass sie als Geburtskanal für das Baby dient. Die Vulva gehört zu den äußeren weiblichen Geschlechtsorganen; zu ihr zählen unter anderem die Schamlippen und die Klitoris.

Wie kommen Frauen also nun auf die Idee, Teile ihrer Vulva einer Korrektur unterziehen zu lassen? Medizinische Gründe spielen hier so gut wie keine Rolle, es geht rein um die Ästhetik. Das legt die Vermutung nahe, dass wir uns einmal mehr von Influencern, Medienberichten und retuschierten Bildern vorschreiben lassen, wie wir auszusehen haben.

Die weltweit größte wissenschaftliche Vulva-Studie wurde 2018 in Luzern durchgeführt. Der Gynäkologe Andreas Günther vermaß mit seinem Team 657 Vulven von Frauen zwischen 15 und 84. Dabei kam er zu einem wenig überraschenden Ergebnis: Es gibt keine „normale“ Vulva. Das Besondere an Vulven ist, dass sie so unterschiedlich sind.

Der Weg zur selbstbestimmten, weiblichen Sexualität

Erst eine selbstbestimmte, weibliche Sexualität ermöglicht das gleichberechtigte, respektvolle Miteinander der Geschlechter. “In Zeiten von #MeToo und einem wachsenden kollektiven Bewusstsein, ist es jetzt umso wichtiger, dass wir uns einen liebevollen und respektvollen Umgang mit unserer Vulva, Vagina und unserem Körper zurückholen“, sagt Grit Scholz, Autorin des Buches „Das Tor ins Leben“. „Die Achtung und Verehrung von Vulva und Vagina, ist die Grundlage für einen neuen Umgang der Geschlechter miteinander. Erst wenn die Männlichkeit und die Weiblichkeit auf Augenhöhe und mit dem gebotenen Respekt füreinander agieren, ist die Transformation der Menschheit gelungen.“

Aus der Themenreihe Körper des LebensGut Verlags

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